Das Meer der Diaspora

Die Ausstellung Más allá el mar canta im Times Art Center Berlin taucht ein in die Gewässer einer historischen Migrationsbewegung, die sich im 19. Jahrhundert in Mittelamerika ereignete.

 

Die von Pablo José Ramírez kuratierte Ausstellung Más Allá, el Mar Canta nimmt die Migrationsgeschichten Zentralamerikas und der Karibik zum Ausgangspunkt, um Systeme der Zugehörigkeit und Ontologien der Begegnung zu untersuchen. Durch ihre Arbeit geben die Künstler dem kollektiven Gedächtnis diasporischer Subjektivitäten und persönlicher Erzählungen eine Stimme, immer mit der eindringlichen Erinnerung, dass es ohne Gemeinschaft keine politische Vorstellungskraft geben kann. 

Tausende chinesischer Arbeiter flohen vor Kriegen und Hungersnöten, überquerten das Meer nach Kalifornien und wurden von dort Ende des 19. Jahrhunderts nach Mittelamerika und in die Karibik gebracht. Aber diese transozeanischen Migranten spielten nicht nur eine wichtige Rolle beim Bau des Panamakanals, dem monumentalen technischen Projekt, das den Seehandel über den Atlantik veränderte, sondern sie halfen auch beim Aufbau der Holzindustrie in Belize und arbeiteten zusammen mit einheimischen und afrikanischen Arbeitern auf den Bananenplantagen der United Fruit Company. Das Projekt der Moderne im 20. Jahrhundert wurde erst durch koloniale Ausbeutung und diasporische Süd-Süd-Bewegungen über die Ozeane hinweg möglich.

Die Arbeit des Hapa Collective beispielsweise spielt auf eine geheime Schriftart an, die im dritten Jahrhundert in Hunan, China, entstand. Es ist das einzige Schriftsystem der Welt, das nur von Frauen entdeckt und verwendet wurde. Das war zur Zeit der so genannten "Lotusfüße". Das Fesseln der Füße, bei dem die Füße der Mädchen irreparabel deformiert wurden, indem man ihnen die Knochen brach und sie dann auf extreme Weise zusammenband. Ziel dieser Praxis war es, die Füße zu verkleinern, die Schönheit und die Häuslichkeit der Frau repräsentieren und gleichzeitig den Gang verändern auf diese Weise würden die Möglichkeiten der Frauenerziehung eingeschränkt. 

 

Sowohl das Schriftsystem als auch die Exponate aus dem Familienarchiv der Künstlerin haben Generationen überdauert und wurden von der Mutter an die Tochter weitergegeben - als eine Form des Widerstands gegen die patriarchalische Gesellschaft. Das Hapa-Kollektiv besteht aus Künstlern der chinesischen Diaspora in Costa Rica, die über Migrationsfragen aufklären.

 

In der Ausstellung sind auch Reflexionen über Emanzipation, Entwurzelung und interkulturelle Begegnungen zu sehen.

 

Más allá el Mar canta (Jenseits singt das Meer) ist der Originaltitel des Gedichts des afrochinesisch-kubanischen Autors Regino Pedroso und die Inspiration für den Namen dieser Ausstellung.