B26 ART FROM LATIN AMERICA

©Portrait of Wynnie Mynerva, 2025. Courtesy the artist and Société, Berlin. Photo: Dennis Druz.
Wechselhaft bis hoffnungsvoll
Der April beginnt mit Sonne, Regen, kühlen und bedeckten Tagen – stets begleitet von der leisen Hoffnung auf steigende Temperaturen. Ähnlich geht es mir, wenn ich den aktuellen Art Basel & UBS Global Art Market Report 2026 lese, dem zufolge die Sichtbarkeit von Künstlerinnen zwar zunimmt, jedoch weiterhin ungleich verteilt ist. Es wird wohl mehr als einen Frühling brauchen, bis sich dieses Ungleichgewicht nachhaltig verändert. Diese Ausgabe widme ich daher vier herausragenden und vielversprechenden Künstlerinnen.

Fernanda Galvão, serpent serpent Snake, 2026, charcoal, dry pastel, oil bar, and oil on linen mounted on freestanding wooden panels 204 x 418 x 8 cm. Photo Courtesy of Galerie Barbara Thumm, Berlin, 2026
„Eine schlangenförmige Struktur aus drei, auf den Körpermaßstab abgestimmten und mit Leinen bespannten Tafeln führt eine geschwungene Linie ein, die den Betrachter physisch einbezieht und seine Bewegung verändert. Malerei wird zu Volumen, Situation und Präsenz“, so beschreibt die Kuratorin Margaux Knight die körperliche und räumliche Dimension der Arbeit serpent serpent Schlange von Fernanda Galvão.
Ihre Bildstruktur und Materialität sind so reich und vielfältig wie die Bewegungen ihres Körpers, mit denen die Künstlerin mir bei der Eröffnung ihre Arbeit erklärt. Augen, Hände, Oberkörper und Füße tanzen durch das Werk.

©CZS. Fernanda Galvão at Galerie Barbara Thumm, Berlin, 2026

©CZS. Fernanda Galvão at Galerie Barbara Thumm, Berlin, 2026
Wie stellen wir Natur dar? Die 1994 in São Paulo geborenen Künstlerin geht bewusst in eine andere Richtung als die westliche Tradition des Sehens. Natur erscheint hier nicht als geordnet oder gezähmt, sondern als ein eigenständiger Raum, der sich unserer Anwesenheit entzieht. Galvãos Malerei entfaltet eine wilde, vielschichtige Dynamik. Diese Energie zeigt sich in der Schichtung von Öl, Kohle und Pastell – Schicht für Schicht – die eher an tropische Landschaften erinnert als an die uns bekannten Kulturlandschaften von der Toskana bis zum Berchtesgadener Land.

©CZS. Fernanda Galvão at Galerie Barbara Thumm, Berlin, 2026

©CZS. Fernanda Galvão at Galerie Barbara Thumm, Berlin, 2026

©CZS. Fernanda Galvão at Galerie Barbara Thumm, Berlin, 2026

©CZS. Fernanda Galvão at Galerie Barbara Thumm, Berlin, 2026

©Cecilia Alemani. Sandra Vásquez de la Horra & Cecilia Vicuña
In München wird die Freundschaft zweier der bedeutendsten lateinamerikanischen Künstlerinnen gefeiert! Anlässlich der Retrospektive Soy Energía on Sandra Vásquez de la Horra (1967) im Haus der Kunst trifft die Künstlerin in einem öffentlichen Gespräch auf ihre langjährige Freundin und Wegbegleiterin Cecilia Vicuña (1948).
Vicuña, die in New York und Santiago de Chile lebt und arbeitet, vereinigt in ihrem künstlerischen Schaffen Poesie, Performance, Konzeptkunst und textile Techniken, um auf drängende aktuelle Themen wie Umweltzerstörung, Menschenrechte und kulturelle Homogenisierung zu reagieren.
Das hier gezeigte Foto der Künstlerinnen entstand 2022 im Rahmen der 59. Biennale von Venedig, kuratiert von Cecilia Alemani, wo Vásquez de la Horra ihre Werke im Arsenale präsentierte.
Beide Künstlerinnen verbindet ein Schaffen, das Poesie, Ritual und politische Dringlichkeit miteinander verwebt und von Erfahrungen mit Diktatur, Migration sowie vom Engagement für Menschen- und Frauenrechte geprägt ist.
Das öffentliche Gespräch zwischen Cecilia Vicuña und Sandra Vásquez de la Horra wird von Jana Baumann, Kuratorin der Ausstellung, moderiert. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit Salta Art statt.
Sandra Vásquez de la Horra und Cecilia Vicuña
im Gespräch.
Haus der Kunst, München
Terrassensaal
Wir machen uns bereit für das Gallery Weekend. Dort präsentiert Société Wynnie Mynerva. Zu sehen sind neue Gemälde und Fotografien, in denen sie ihre Auseinandersetzung mit der Rhetorik der Liebe fortsetzt und den Fokus von der romantischen Liebe auf umfassendere Formen kollektiver, sozialer und kosmologischer Relationalität verlagert. In den Arbeiten der in Peru geborenen Künstlerin wirkt Pigment auf Stoff und Kunststoff auf derselben Ebene wie die Einschnitte, die sie an ihrem Körper vornimmt: Beides sind Techniken, die darauf abzielen, normative Vorstellungen von Geschlecht und Gender zu durchbrechen.
Hier ein Vorgeschmack.
©Photography by Michi de Pichi & Ana Bálcazar. Wynnie Mynerva at work in the studio.

Société
Opening: 30. April 2026
1. Mai. bis 27. Juni 2026
Zu guter Letzt sende ich meine besten Wünsche an die erste Ausgabe der Art Cologne Palma Mallorca, die vom 9. bis 12. April stattfindet. Gute Gespräche, viel Freude und zahlreiche Verkäufe!