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Die Mäßigung des Waldes

Der Titel der Ausstellung ‚Soliphilia’ – die Liebe und Verantwortung gegenüber unserem Planeten - geht auf eine Wortschöpfung des australischen Gelehrten Glenn Albrecht zurück, der auf der Basis von philosophischen und psychologischen Überlegungen versucht hat, den Zusammenhang zwischen dem prekären Zustand des Ökosystems der Erde mit unserer psychischen Gesundheit aufzuzeigen und dies mit neuen Formulierungen zu benennen (Glenn Albrecht, Earth Emotions: New Words for a New World, Cornell University Press 2019). 

 

Leopoldo Cuspinera Madrigals Arbeiten basieren auf den Techniken von Papiermaché, Collage und der Verarbeitung von recyceltem Papier, angereichert mit Farbpigmenten, Kohle, Gold, Silber und Bronze. Dabei spielt auch die mexikanische Tradition des papel amate (eine Papierart, die aus Baumrinde hergestellt wird) eine bedeutende Rolle. Durch die Zugabe von Resin wird das Papier so stabil und beständig, das kein Museumsglas nötig ist, um die Bilder vor äußeren Einwirkungen zu schützen. Auf diese Weise tritt der Betrachter in einen direkten Dialog mit dem Werk.  

 

 

 

 

Seit mehr als 25 Jahren beschäftigt sich Leopoldo Cuspinera Madrigal mit dem dynamischen Verhältnis zwischen Landschaft und Erinnerung. Seine Landschaftsdarstellungen erscheinen wie Urbilder einer Natur, in denen der Mensch seinen Fußabdruck hinterlassen hat. Es sind zarte, ätherisch anmutende Bilder von Eisbergen, Pappelwäldern, Küsten- und Flusslandschaften, Blumen und Gärten. Vordergrund und Hintergrund verschmelzen miteinander zu einem verklärten Ganzen. Zeit im Sinne von Ewigkeit spricht aus den ruhigen, architektonisch gefestigten Kompositionen. Intensität stellt sich ein durch die fein austarierte Farbgebung und die Dichte des Materials.  

Soliphilia
Quittenbaum Gallery, Theresienstraß 58, 80333 München
07.10. bis 07.11.2020