
Berlin Art Week 2026, Tropez, TROPEZ im Sommerbad Humboldthain. Foto: Ink Agop
Lateinamerika:
Eine Kunstreise durch Deutschland
25 Grad und sonnig? Oder Regen bei 20 Grad? Eines ist gewiss: Jetzt beginnt der Kunstherbst. Der Berliner September steht nicht nur im Zeichen der Berlin Art Week (BAW) und der POSITIONS Berlin Art Fair; dieses Mal ist auch die Biennale von São Paulo zu Gast im HKW. In Köln richtet sich der Blick auf karibische Positionen in der Sammlung Zander, siehe meinen aktuellen Beitrag für WITAM/ZADIK, und in Leipzig präsentiert das GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig The Soul of Objects. Meine Gedanken sind in diesen Tagen auch bei den Menschen in Kolumbien, die seit dem 10. August von weiteren Erdbeben heimgesucht werden.

Berlin Art Week 2026, Ebensperger—Arminiusmarkthalle, Chicks on Speed, 2026. Foto: Wolf Dieter Grabner, courtesy Chicks on Speed and Ebensperger
Wenn ein Mädchen in Lateinamerika 15 wird, feiert die Familie diesen besonderen Geburtstag mit einem großen Fest. In diesem Sinne hat auch die BAW, die dieses Jahr ihr 15-jähriges Jubiläum feiert, ein großes Fest verdient. Rund 120 Museen, Privatsammlungen, Projekträume und Galerien sowie die Kunstmesse POSITIONS Berlin Art Fair präsentieren ein umfangreiches Programm in der ganzen Stadt. Dabei öffnet sich der Blick in verschiedene Richtungen: zeitlich von der Geschichte über die Gegenwart bis in die Zukunft, geografisch von Ost nach West und wieder zurück. Durch das Programm ziehen sich Themen wie Migration, Beziehungen und Kolonialismus.

Berlin Art Week 2026, New Fears Galleriy, Omar KTD, © Omar KTD

Berlin Art Week 2026, C/O Berlin, Stelios Kallinikou, Butterflies (Haarp), 2020 © Stelios Kallinikou

©Berlin Art Week 2026, Schering Stiftung, Diakron Emil Ronn Andersen, 7 Summers, 2025

©Berlin Art Week 2026, Kunst im Westend, Lu Yang, DOKU the Self, 2022. Courtesy of the artist and Société
9. bis 13. September 2026
Zum ersten Mal ist die älteste Biennale Lateinamerikas in Deutschland vertreten. Die von Prof. Dr. Bonaventure Soh Bejeng Ndikung kuratierte Bienal de São Paulo ist im Haus der Kulturen der Welt zu Gast und verhandelt unter dem Titel Nicht alle Reisenden folgen Wegen – Von der Menschheit als Praxis die Frage der Verortung.
Parallel dazu zeigt SAVVY Contemporary mit Vilanismo: Architectural Echotones – A Poetics of the Surrounds eine eigene Position zur 36. Bienal und schlägt damit eine kuratorische Brücke zwischen Berlin und São Paulo.
Die Berlin Edition wird von Alya Sebti kuratiert. Die Ausstellung ist ein Plädoyer für Freude, für die Kraft der Imagination und für das Träumen – nicht als Eskapismus, sondern als Räume, in denen Menschlichkeit immer wieder neu gedacht werden kann.

©Iza Guedes / Fundação Bienal de São Paulo. Manauara Clandestine, TRANSCLANDESTINA 3020 (2025). Performance 36. Biennale von São Paulo

©MACAAL und des Nachlasses des Künstlers. Mohamed Melehi, Untitled (2001). Courtesy Collection Fondation Alliances

©Levi Fanan / Fundação Bienal de São Paulo. Wolfgang Tillmans, Watching a Minute for a Minute. Ausstellungsansicht 36. Biennale von São Paulo

©Guacamayas Orbits (Orbitas Guacamayas), rolled basketry in fiqué fiber, sewn and covered with threads, Colombia, 2025. Photo: GRASSI Museum of Applied Arts Leipzig/ Germany.

©Topomorfose (Topomorfose), wood, porcelain, sheepwool, Brazil, 1980. Photo: GRASSI Museum of Applied Arts Leipzig/ Germany
Als ich den Titel The Soul of Objects gelesen habe, waren meine ersten Gedanken bei Marcel Duchamp. Mit seinen Ready-mades stellte er die Frage nach dem Wesen der Kunst neu und eröffnete Perspektiven auf Kreativität und Autorschaft, die bis heute nachwirken.
In eine andere, aber ebenso grundlegende Richtung führt die gleichnamige Ausstellung im GRASSI Museum für Angewandte Kunst Leipzig. Zum ersten Mal präsentiert eine Schau im deutschsprachigen Raum die Bandbreite angewandter Kunst aus lateinamerikanischer Perspektive. Dabei stehen nicht nur die Menschen, Communities und indigenen Gemeinschaften hinter den Werken im Mittelpunkt. Sie offenbart auch die Vielfalt der Materialien und Techniken sowie die sozialen und politischen Dimensionen des traditionellen und zeitgenössischen Kunsthandwerks in Lateinamerika.

©Root Soul, Yankatú, stools in tucumã palm straw dyed with caapiranga, daisy, crajirú, genipap and annatto and solid cabreúva wood, Brazil, 1980. Photo: GRASSI Museum of Applied Arts Leipzig/ Germany

©Insecta (Insecta), wooden vases covered with the Colombian chaquiras technique (glass beads), Colombia, 2024. Photo: GRASSI Museum of Applied Arts Leipzig/ Germany

©Morse (Morse), cotton, Mexico, 2025. Photo: GRASSI Museum of Applied Arts Leipzig/ Germany
Museum für Angewandte Kunst Leipzig
7. Mai bis 27. September 2026
Last but not least: In Köln empfehle ich einen Blick auf karibische Positionen in der Sammlung Zander. Charlotte Zander (1930–2014) baute seit 1960er-Jahren mit großer Leidenschaft eine Sammlung von Werken autodidaktischer Künstlerinnen und Künstler auf, die lange unter dem Begriff ‚Naive Kunst‘ zusammengefasst wurden. Ich habe einen Beitrag für Women in the Art Market (WITAM), das interdisziplinäre Forschungs- und Vermittlungsprojekt des ZADIK – Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung an der Universität zu Köln publiziert, in dem ich dazu einlade, Begriffe wie „Fremdheit“, kulturelle Zuschreibung und Spiritualität neu zu lesen. Mein besonderer Dank gilt apl. Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck für die Begleitung des Projekts sowie Brigitte Jacobs van Renswou für ihre wertvollen Kommentare und den fachlichen Austausch. Den vollständigen Beitrag können Sie hier lesen: https://witam.hypotheses.org/14029
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Es ist Zeit für den nächsten Schritt. Nach zahlreichen Anfragen erscheint der B26 Newsletter ab Oktober auf Englisch – und macht Geschichten, Ausstellungen und Debatten rund um lateinamerikanische Kunst einem noch größeren internationalen Publikum zugänglich.
See you in October.