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Außenansicht des Museo de Arte Moderno, Bogotá, Bild: MAMBO

Mit Álvaro Barrios und einem Buch über kolumbianische Sammler im Gepäck zur ARCO Madrid 2022 

Anlässlich der internationalen Messe für zeitgenössische Kunst in Madrid sprach B26 mit Claudia Hakim, der Direktorin des Museo de Arte Moderno de Bogotá (MAMBO). In Madrid stellt das MAMBO I wanna be with You, ein Buch, das Einblicke in kolumbianische Privatsammlungen gibt, sowie das Werk des Künstlers Álvaro Barrios vor.

                                                                 

Während der ARCO 2022 stellen Sie das Buch I wanna be with You vor. Wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden und worum geht es?

 

Der Ursprung dieses Buches war eine Ausstellung, die mitten in der Pandemie 2020 stattfand, als die Kapazitäten des Museums noch sehr begrenzt waren, wir aber die Erlaubnis hatten, das Museum zu öffnen. Wir entschieden, es mit einer Ausstellung zu tun, die einen Bezug zur aktuellen Lage hatte. Da wir keine Künstler einladen oder andere Arten von Ausstellungen planen konnten, warfen wir einen Blick in Privatsammlungen in Bogotá. Gleichzeitig sollte das Sammeln an sich gewürdigt werden. Wir haben Arbeiten ausgewählt, die mit dem Thema Nähe, Distanz, Mobilität, Menschenansammlungen, Distanz, Einsamkeit zu tun haben. Zu diesen Themen wählte Eugenio Viola, der MAMBO-Kurator, Werke aus Privatsammlungen in Bogotá aus. Werke, die Geschichten erzählen, die im Zusammenhang mit der Pandemie stehen und wieder aktuell wurden. Es entstand ein Video mit dem Titel I wanna be with You, und daraus resultierte die Ausstellung. 

I wanna be with you
Das Museo de Arte Moderno de Bogotá (MAMBO) hat ein Buch herausgebracht, das  Einblicke ikolumbianische Privatsammlungen gibt. 

Das MAMBO zeigt auf der ARCO auch eine Ausstellung des Konzeptkünstlers Álvaro Barrios. Mit welcher Art von Arbeit wird uns der Meister aus Barranquilla diesmal überraschen?

 

Nun, ich denke, dass Leute, die Álvaros Arbeit nicht kennen, überrascht sein werden. Álvaro feiert in diesem Jahr 50 Jahre künstlerisches Schaffen. Wir werden also etwa 48 Werke mitbringen, die zur Sammlung des Museo de Arte Modern de Bogotá gehören. Es handelt sich um populäre Stiche, die in der Mythologie, in der Esoterik und in der katholischen Chronologie eine kulturelle Referenz darstellen. Sie beziehen sich aber auch auf den Surrealismus, die Pop-Art und die Konzeptkunst. Ich denke, er ist ein Künstler, der besonders sehenswert ist, weil er er so viele Ausdrucksmöglichkeiten nutzt. 

 

Warum wird die Ausstellung nicht an einem offeneren Ort oder in einem Pavillon innerhalb des ARCO präsentiert? Gab es eine solche Möglichkeit oder war sie genau für das die Botschaft geplant?

 

Um ehrlich zu sein, die Idee dazu kam etwas spät. Aber das Museo de Arte Moderno de Bogotá wird bald 60 Jahre alt, und wir wollten internationale Präsenz haben. Wir haben Ausstellungsflächen auf der ARCO vor allem aus wirtschaftlichen Gründen nicht angedacht. Aber dann hat uns das kolumbianische Außenministerium beim Transport des Werks unterstützt, und einige Leute, z. B. einige Galeristen, werden uns bei der Montage helfen. All dies ist eine wirtschaftliche Frage. Auch wenn es stimmt, dass der Zugang zur Öffentlichkeit aufgrund des Zeitplans der Botschaft etwas eingeschränkt sein wird, freuen wir uns, auf der Agenda der ARCO zu stehen, auf dem Radar und den VIP-Veranstaltungen der Messe zu erscheinen. Sicher werden wir für die nächste Messe mehr Vorlaufzeit haben. Unsere Kunstwerke werden kennenglernt werden. Wir können etwas in einem Raum verwirklichen, der mehr Öffentlichkeit hat.

In welchen anderen Städten wird die Ausstellung zu sehen sein?

 

Die nächste Station wird Havanna, Cuba sein. Auch mit Unterstützung des kolumbianischen Außenministeriums wird die Ausstellung in einem Kunstraum in Havanna präsentiert. Das Werk kehrt im Juni 2022 nach Kolumbien zurück, weil das Museo de Arte Moderno de Bogotá eine Retrospektive über die 50 Jahre des künstlerischen Lebens von Álvaro Barrios zeigen wird.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wohin bewegt sich die Kunstwelt aus Ihrer Sicht nach dieser Pandemie?

 

Dies ist ein Thema, mit dem wir uns auch viel beschäftigen. Das ist etwas, das sich verändert hat. Museumsräume werden nicht mehr so oft besucht. Das Thema der Virtualität wird, wie wir alle wissen, nicht verschwinden. Wir als Museen müssen darauf vorbereitet sein, digitale Ausstellungen zu veranstalten. Auf jeden Fall ist die Erfahrung, ein Museum zu betreten, eine ganz andere, als sich in drei Dimensionen vor einem Bildschirm wiederzufinden. Wir werden übrigens ein NFT von Álvaro Barrios zeigen. Dieses NFT ist ein e-commerce, der sich in der Welt bewegt. 

 

Wir werden 60 Jahre alt sein und stellen uns die Frage, wie das Museum der Zukunft aussehen wird. Was wollen die Menschen, was erwarten sie von einem Museu? Das Format für das junge Publikum ist anders. Es ist digital. Sie wollen eine Ausstellung von ihrem eigenen Standort aus besuchen. So wie wir es jetzt schon erleben, wird es sich um eine Hybrid aus physisch Anwesendem und Digitalem sein. 

 

Was denken Sie, wie und wo ist lateinamerikanische Kunst in Europa vertreten?

 

Ich denke, hauptsächlich auf dieser Messe. Hierher kommen die meisten lateinamerikanischen Galerien, weil sie meiner Ansicht nach, hier mehr Zugang haben, mehr verwurzelt, vertrauter mit dem Land und der Sprache sind. Kolumbianische Galerien sind im Ausland wenig präsent. Aber dies ist eine Messe, die die Leute gerne besuchen.  

 

Das Interview führte Claudia Zea Schmidt

Die Kulturmanagerin Claudia Hakim ist eine bekannte Bildhauerin, Malerin und Textildesignerin. Hakim ist seit Ende Januar 2016 die Direktorin des Museo de Arte Moderno de Bogotá (MAMBO).  Die libanesischstämmige Künstlerin eröffnete 2011 NC-Arte in Bogotá, einen Kultur- und Bildungsraum der Neme Foundation, dessen Hauptziel es ist, zur Entwicklung der bildenden Kunst in Kolumbien und Lateinamerika beizutragen.