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A ton of Coke – Spekulationen ohne Ende

 

Camilo Restrepo stellt mit aTonOfCoke Marktpreise und Werte am Beispiel von Crypto-Kokain infrage. Was hat er im Sinn? Mit seinem NFT Kunstwerk thematisiert er heißen Stoff: die Legalisierung von Drogen. 

 

Text Juliana González

Die Seifenstück-Sammlung auf Instagram lenkt den Blick auf ein Alltagprodukt und die gewöhnliche Handlung des Körperreinigens „irgendwo bei Dir zuhause.“ „Du denkst, dass sie besonders unwichtig ist, aber sie sagt doch viel über Dich aus“, erzählt Uribe Castro bei einem Treffen in seinem Berliner Atelier. Es zeige sich darin, "wie menschlich wir alle durch einen noch so kleinen Akt werden und dass wir miteinander verbunden sind." 

Die Instagram-Fotos der Seifenstücke sind mit dem Namen der Fotografen und Fotografinnen sowie ihrem Datum und Entstehungsort untertitelt und werden ausnahmslos in jeder Qualität gepostet. Abhängig von der Menge sind in einem Beitrag bis zu zehn Bilder oder mehrere Feed-Beiträge über den Tag verteilt zu sehen.

 

Das sagen andere über “A Ton of Coke”

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Vielfältig und doch gleich

 

Rund, oval, eckig oder in freier Form; zart wie ein Kieselstein am Strand, vollkommen wie ein Ei; sperrig, anschmiegsam, hässlich und schön. Ganze Seifenstücke, -brocken und -reste ruhen auf Tellern, Fliesen, Waschbecken, Dusch- und Badewannenrändern und in Händen. Das intime Produkt begegnet uns im kollektiven Instagram-Kunstwerk in jeglicher Machart und Couleur. Wir erahnen, wissen und sehen, dass ihre Konturen sich durch ihren Gebrauch verändern und sich im Laufe der Zeit auflösen. 

Quarantine Diaries deutet Uribe Castros Interesse am Vorrübergehenden an, das er bisher in seiner im öffentlichen Raum stattfindenden Arbeit thematisiert. Insbesondere identifiziert er sich mit Walter Benjamins Gedankenwelt, in der kleinste Alltagsrituale einen größeren Sinn beinhalten und Spuren sind, die durch das Wohnen hinterlassen werden und als Impuls zur Erinnerung dienen.

Sie sind zwar verschieden und vergänglich, diese Seifenstücke, mit denen wie eine intime Beziehung führen, deren Duft uns begleitet und Erinnerungen weckt, doch in der bildlichen Wiederholung und aus unterschiedlichen Lebensorten und -welten stammend, rückt das Bleibende in den Vordergrund. „Sie sind gleichzeitig allgemein und individuell, im Wesentlichen sind sie jedoch Teil eines fortwährenden Ganzen.“ 

Die Spur des Alltäglichen führt vom konservierenden, lehrenden Musealen weg. Dadurch dass der Künstler zudem den „Zeichenstift“ in die Hand des Betrachters legt, stellt er einen Austausch zwischen ihm, dem oder den Betrachtern, den Bildern, den Texten und den Algorithmen her. Es passiere, was viele Institutionen vergeblich versuchten, so Uribe Castro. Ihnen gelinge es nicht, einen Dialog zu führen, weil sie in der romantischen Vorstellung des Künstlergenies verharrten. Er identifiziere sich selbst mehr mit der barocken Kunst, wie sie Octavio Paz in seiner Biographie über die Poetin Sor Ines de la Cruz  beschreibe, die menschliche Gefühle und existentielle Fragen dynamisch und leidenschaftlich durchdringe. Es gehe schließlich nicht darum, derjenige zu sein, der in der Lage sei, „Berge zu versetzen, sondern Berge zu verstehen“, nicht eine Welt zu erfinden, sondern die existierende zu beschreiben oder ihre Stimme zu sein. Deshalb arbeitet der Kolumbianer gerne im öffentlichen Raum, „weil ich hier hören kann, was die Menschen zu sagen haben.“ 

 
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