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Álvaro Barrios, El Circo del Museo Duchamp del arte malo, 2022, NFT, Umsetzung Omar H. Téllez, Block Art Ventures

Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Henrique Faria, New York

Álvaro Barrios – Das Museo de Arte Moderno Bogotá zeigt Arbeiten aus 50 Jahren

 

Das Museo de Arte Moderno Bogotá (MAMBO) präsentiert mit Álvaro Barrios (1945 geboren) einen der wichtigsten Vertreter der Pop- und Konzeptkunst aus Lateinamerika und einen internationalen Star ihrer Sammlung. Seine Kunst ist regelmäßig in Ausstellungen des MOMA zu sehen. Die Einzelausstellung Los grabados populares y otras historias, die ab Juni in Bogotá zu sehen sein wird, umfasst 47 Werke aus den Jahren 1972 bis heute.

 

Bereits Anfang des Jahres bot sich in Europa im Rahmen der ARCO Madrid die Gelegenheit, die exzellente Auswahl aus Barrios vielseitigen und phantasievollen Drucken und Zeichnungen zu sehen. Die Retrospektive im Kulturzentrum Gabriel García Márquez, vom Chefkurator des MAMBO Eduardo Viola verantwortet, der  den italienischen Pavillons dem kommenden Biennale in Venedig kuratiert, stand prominent auf der Agenda des ARCO Rundgangs. 

In Barrios Kunst verbinden sich Surrealismus, Konzeptkunst und Pop Art. Der Kolumbianer aus der Küstenstadt Barranquilla erforscht künstlerisch religiöse, mythologische, esoterische und fantastische Elemente. Er artikuliert sie neu und schöpft dabei aus der visuellen Sprache der Comics, populärer Ikonografie, Science Fiction und Kunstgeschichte.

Werden de Einflüsse internationaler Künstler wie Roy Lichtenstein nachgesagt, so wehrt er sich dagegen. Er habe sie nicht gekannt bis man ihn verglich und schon als Kind seinen eigenen Stil entwickelt.

 

Barrios erzählt in einem in der Zeitschrift Revista Diners veröffentlichten Artikel von seinem Leben und Werdegang. Es ist die kulturelle Vielfalt, das bunte Leben seiner Heimatstadt Barranquilla sowie seine Erziehung, die seine Kunst prägten. Indirekt führt er vor Augen, dass Kreativität und Kunst in der sogenannten Peripherie autonome Wege gehen, also ebenso wie in den großen historischen Zentren der Kunst Stile und Strömungen an anderen Orten entstehen. Barrios Surrealismus entstammt nicht der Nachahmung europäischer Meister, sondern entwickelt sich allein aus dem ihn umgebenden Alltag un dazu gehört die Auseinandersetzung mit kultureller Produktion verschiedener Herkunft.

"Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis für Wörter. Damals sagte niemand okey, was nur ein Anglizismus ist. Die Wörter waren sehr französisch. 

Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass niemand einen Plattenspieler hatte, sondern ein Radiola; der Aufbewahrungsort für die Kinderkleidung hieß Chifonier; der Aufbewahrungsort für das Geschirr wurde Bifé genannt. Und der Chauffeur fuhr mit Ihnen auf dem Boulevard spazieren. Die Bräute spazierten mit ihren Geliebten über den Boulevard, die, wenn sie heirateten, ein Bouquet in der Hand hielten. Und das ist, in der Sprache der Küstenländer gesprochen, purer Surrealismus", schreibt Barrios.

 

Ab einem Alter von 4 Jahren zeichnete er  von der Terrasse seines Zuhauses aus alles, was er auf der Straße sah. Auf alles setzte er Tauben. "Meine Erdkunde-, Gechichts-, Mathehefte hatten eine Seite mit den Aufgaben und eine mit Zeichnungen, und das war immer so, und ging bis zur Uni weiter. Mein Leben war erfüllt von Fantasie, dank Büchern wie die der Gebrüder Grimm und der Comichefte."

Barrios kritisiert das Streben junger Künstler nach  "internationaler" Kunst nur um ihrer selbst Willen, danach in Mode zu sein. Die Quellen seiner Kunst sind die, mit denen er persönlich verwurzelt ist, nicht die der modernen Großstadt. Er lebe gerne in Barranquilla, wo "alles, was ich schlafend oder wach geträumt habe, in meinen Werken geblieben ist."

Álvaro Barrios: Mit NFT mehr Menschen erreichen

Zusammen mit der Retrospektive ist in der von Eugenio Viola kuratierten Ausstellung Los Grabados Populares y otras historias. Alvaro Barrios en la Colección MAMBO mit El Circo del Museo Duchamp del arte malo (2022), Barrios erstes NFT zu sehen. Die  Galerie Fernando Pradilla präsentierte während der Kunstmesse ARCOMadrid dieses und ein weiteres NFT, Dream. Hergetellt wurden sie basierend auf früheren analogen Populären Prints Barrios mit Unterstützung von Block Art Ventures.

Nachahmung und Vervielfältigung sind die Mittel, die Barrios in seiner Kunst einsetzt, um den Wert von Kunst und den Marktwert generell zu thematisieren. Es  ist seine Intention mit seinen Populären Prints, Kunst aus traditionellen Ausstellungsräumen zu holen, um sie zu „demokratisieren“, um durch einen künstlerischen Akt eine möglichst große Zahl von Menschen zu erreichen.

Barrios kritisiert und feiert gleichzeitig Konsum und Massenproduktion. Er beschäftigt sich mit Fragen rund um Authentizität, Urheberschaft und Aneignung und er tut es, in dem er sich der Wiederholung und Wiederverwendung von bereits existierenden Bildern bedient.

NFT nur eine Möglichkeit mehr der Demokratisierung

In seinem ersten NFT El Circo de Marcel Duchamp del arte Malo,  Álvaro Barrios geht es ebenso wie in seinen Drucken um Möglichkeiten der Reproduzierbarkeit. Der Kolumbianer hintefragt die Einzigartigkeit des visuellen Produktionsergebnisses. Cypto-Art ist für ihn eine weitere Möglichkeit, eine Technik mehr, die der Verbreitung des Werkes dient. Schließlich steht die Frage im Raum, ob Autorenschaft noch gegeben oder feststellbar ist, wenn Technik unbegrenzte Reproduktion ermöglicht, wie bei NFTs, da Tokenisierung die Möglichkeit der Übertragung des Rechtes an ein Gut in einen Token bedeutet, einer digitalen Information. Sie setzt digitaler Kunst Grenze und damit wird es möglich, neue Kunstproduktionen zu verkaufen.

Barrios Crypto-Kunst basiert auf Arbeiten aus dem Jahr 2015, die einen Digitalisierungsprozess durchlaufen haben. Dass Barrios nun neuen Trend hingibt erscheint wie die logische Konsequenz seines Schaffens. Er sei der Ansicht, "dass die NFTs die Kunst demokratisieren und jetzt sind diese Werke für ihn der Inbegriff des Populären", erklärte Omar Téllez, der gemeinsam mit dem Künstler an der Produktion des Werks beteiligt war, gegenüber Europa Press.

SELLE

VISUAL ARTIST

Álvaro Barrios  

Bild: Sammlung Álvaro Barrios in der Sammlung des Museo de Arte Moderno Bogotá. Mit freundlicher Genehmigung des MAMBO.

ALVARO BARRIOS

Der ikonische Comic-Stil von Álvaro Barrios entstand aus einer frühen Leidenschaft für das Zeichnen, die durch die Comics, die er als Kind las, inspiriert wurde. Obwohl er ein Architekturstudium absolvierte, begann er nach eigenen Worten mit dem Zeichnen, weil "ich mich besonders für das Gefühl der Nostalgie interessierte, das Comics in mir auslösten." Seine ersten Werke, die in den 1960er Jahren entstanden, waren Collagen aus Comicseiten. 1967 begegnete Barrios zum ersten Mal dem Werk von Marcel Duchamp und war von dieser Erfahrung so tief beeindruckt, dass er sein späteres Werk als ständige Reflexion des Werks von Duchamp bezeichnete. Barrios wurde auch von Theorien des Surrealismus, Grafikdesign und Poesie beeinflusst. Obwohl Kritiker Barrios nach seiner ersten Einzelausstellung im Jahr 1996 mit Pop-Künstlern und Roy Lichtenstein verglichen, sagt Barrios, dass er sich zu keinem von beiden zugehörig fühlte.