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Diego y yo, 1949. Öl auf Leinwand,
Frida Kahlo
Bild: Courtesy Sotheby’s New York

Diego y yo, 1949. Öl auf Leinwand,
Frida Kahlo
Bild: Courtesy Sotheby’s New York

30 Jahre später viel mehr wert 

 

1990 erwarb eine Kunsthändlerin aus New York für 1,4 Millionen Dollar ein Gemälde, das Zeugnis der schmerzvollen und gleichsam wohl innigen Liebe der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo und Diego Rivera ist. Im Herbst 2021 wechselt das Werk, mittlerweile im Besitz der New Yorker Immobilienmäzens Harry Macklowe, für 30,7 Millionen Euro an Eduardo Constantini, den argentinischen Geschäftsmann und Gründer des MALBA in Buenos Aires. Das Bild Diego und ich ist das teuerste lateinamerikanische Kunstwerk der Geschichte.

Ein wahrer Titan der Kunst des 20. Jahrhunderts“, eine „kulturelle Ikone“ und „Königin der Selbstprotraits“ – Frida Kahlos (1907-1954) Titel sind ebenso großartig wie ihr Kleidungsstil bunt und vielseitig ist. Die Malerin, deren leuchtend blaues Wohnhaus, die „Casa Azul“ in Mexico City, Menschenmassen anzieht, ist derart berühmt, dass sogar Möbel ihren Namen als Markenname tragen. 

 

Die Tochter eines deutschen Einwanderers und einer Mexikanerin liebte die Kommunisten und verkehrte mit der High Society in New York. Frida trug Männerkleidung und traditionelle indigene Trachten. Individuell war sie – Tagebücher, Zeitungsartikel, Fotografien oder Berichte dokumentieren es. Vor allem zeugen, ja erzählen ihre individuellen künstlerischen Arbeiten davon. In den Selbstportraits erscheint sie mit zusammengewachsenen Augenbrauen, einen Flaum über den Lippen, mit Affen, mit Papageien, Dornenkranz und auch mit verwundetem Körper, aus dem Blut strömt. Es sind Kompositionen, wie sie zu ihrer Zeit wohl noch keiner, insbesondere keine Frau herstellte. Die lebendige Direktheit, mit der das Innerste nach außen dringt (Sin Esperanza, 1945), macht diese Kunst so wahrnehmbar und für viele Menschen nachvollziehbar. Inhalt und äußere Form sind sehr eigen. Sie sind Ergebnis künstlerischer Unabhängigkeit und persönlicher Selbständigkeit.

 

Die Gemälde zeugen vom persönlichen Leidens- und Lebensweg der Künstlerin, die sich die meiste Zeit ihres Schaffens in einem engen Raum, ihrem Schlafzimmer oder gar im Bett befand. Eine Verletzung, verursacht durch einen Unfall während ihrer Jugend, zog unzählige Operationen nach sich. Schmerzen malträtierten Körper wie Seel. Die Kleinformate ihrer Selbstportraits sind darauf zurückzuführen. Sie sah im Spiegel nur sich selbst. Sieh sah ihr Spiegelbild und ihre Gedanken, und Diego, ihren Mann.

Dem Künstlerpaar „Diego Rivera, Frida Kahlo“ widmete die Schweizer Stiftung Fondation Beyeler im Jahr 1998 eine Ausstellung. „Was bei diesem beispielhaften, beispielhaft ungleichen und beispielhaft komplementären Paar erstaunt und bewegt, ist die Geschichtsschreibung, die ihre eigene Geschichte übertrifft, ihre Leidenschaft verherrlicht und sie zu Helden macht.“, schreibt der Schriftsteller J. M. G. Le Clezio über sie im Katalog. 

Im Bildnis Diego y yo erscheint Frida Kahlo mit wilden offenen Haaren, die sich wie Schnüre um ihren Hals legen. Tränen tropfen aus ihren großen Augen und Diego thront als drittes Auge über ihren buschigen Brauen. 

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Im November 2021 wechselte dieses Ölgemälde, 29,8 x 22,4 cm groß, für 34,9 Millionen Dollar (30,7 Millionen Euro) den Besitzer, zum Abschluss der traditionellen Herbstauktion von Sotheby’s in New York. Ersteigert hat es Eduardo Constantini, Gründer des Museums für lateinamerikanische Künste in Buenos Aires (MALBA), ein argentinischer Unternehmer und Kunstsammler. Den Rekord hielt bis dahin ausgerechnet Diego Riveras Los Rivales (1931). Es kam 2018 für 9,76 Millionen Dollar bei Christie’s unter den Hammer.

Diego y yo war auf dem Markt, da die Besitzer, Linda und Harry Macklowe, sich scheiden ließen und ein Richter den Verkauf der unschätzbaren Kunstsammlung anordnete. Insgesamt verkauften die Macklowes, deren Vermögen auf 2 Milliarden geschätzt wurde, Kunst für 700 Millionen Dollar (rund 620 Millionen Euro) – darunter Andy Warhols Nine Marilyn's, Jackson Pollocks Number 17, 1951 und Mark Rothkos Bild No. 7. Auch diese Summe war ein Rekord.

Diego y yo war 1990 noch für 1,4 Millionen Dollar an die Kunsthändlerin Mary-Anne Martin verkauft worden. Damals war dies ein herausragender Rekordwert für ein Kahlo-Gemälde bei einer Auktion. Seitdem stiegen die Preise kontinuierlich. El tiempo vuela (1929) wechselte 2000 für 4,6 Millionen Dollar den Besitzer, Dos desnudos en el bosque (Tierra misma), (1939) kam bei Christie’s in New York 2016 für acht Millionen Dollar (7 Millionen Euro) unter den Hammer. 

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Die immense Wertsteigerung, die Diego y yo, eines von insgesamt 11 Frida Kahlo-Bildern, die sich im Privatbesitz außerhalb von Mexiko befinden, erfahren hat, schätzen Experten als Resultat einer Marktverknappung ein. Tatsächlich liegt der im November 2021 erzielte Preis noch weit hinter dem, was hinter verschlossener Tür erreicht wurde. So soll ein asiatischer Privatier das Selbstporträt mit Papageien (1941) mithilfe der Vermittlung von Christie’s erworben haben. In Europa ist Frida Kahlos Kunst seit langem nicht zu sehen. In einem deutschen Museum sah man sie zuletzt 2010 im Berliner-Martin Gropius-Bau. Gesehen wird sie dennoch weltweit wie kaum eine andere Künstlerin. Denn Frida, die Feministin, unkonventionelle Ehefrau, Influencerin und Künstlerin aus Lateinamerika hat es 2021 zur Nummer 1 der Google-Suchmaschine in den USA gebracht. Fast alles ist seit 2018 in der virtuellen Ausstellung auf Google Arts & Culture zu sehen. Der Internet Gigant hat sich für Faces of Frida mit Museen aus aller Welt zusammengetan. 

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